TOMMY LEE

Griechisch paradoxe Ansichten

„Ego den boro kala na mellisa elinika” - oder so ähnlich jedenfalls. Was übrigens soviel heißt wie: „ich kann nur ein bisschen griechisch”. Ganz zu schweigen von etwaigen kyrillischen Schriftzeichen, die in TOMMY LEEs geringem griechischen Sprachschatz keinerlei Platz mehr finden. Immerhin wird die Skandalnudel 1963 in Griechenland geboren als Sohn einer ehemaligen Miss Athen. Diese Tatsache liegt allerdings noch ein paar Jährchen mehr zurück, genauer gesagt 1957. Die offensichtliche Attraktivität der Dame muss auf Daddy David, einen US-Bürger so großen Eindruck gemacht haben, dass er die Schönheitskönigin vom Fleck weg ehelicht und ihr zwei Sprösslinge andreht, TOMMY und seine um ein Jahr jüngere Schwester Athena. Genau drei Jahre hält es Vater Lee im Land der Antike aus, dann nimmt er seine Familie am Schlawittchen und überquert den großen Teich, um sich fortan in Kalifornien niederzulassen. An seine Schulzeit erinnert sich TOMMY mit nicht allzu großem Enthusiasmus: „Ich bin nie gern in die Schule gegangen, habe sie sogar zweimal geschmissen. Nur der Sportunterricht hat mich immer fasziniert, und ich hab selten eine Lession verpasst.” Nebenbei trommelt der Jungspund in jeder Marschmusik-Kapelle, die sich ihm anbietet. „Es war mir in der Phase so ziemlich egal, was für Musik ich spielte. Hauptsache war, dass ich überhaupt die Möglichkeit bekam irgendwo mitzumischen.” Nebenbei treibt sich der, inzwischen passionierte Schlagzeuger in den diversen Clubs von Los Angeles herum, unter anderem um Connections zu anderen Musikern zu schließen. Es lohnt sich! Er trifft auf Vince Neil, Mick Mars und Nikki Six und freundet sich in kürzester Zeit mit den verwegen aussehenden Gestalten an. „Ich erinnere mich noch genau, als wir eines Tages vor der Tür des Roxy standen, herum lungerten und uns unterhielten. Da ging dieser Typ vorbei und sagte mehr zu sich selbst: &Mac226;oh boy oh boy, what a motley crew’ ( Junge Junge, was für eine närrische Bande). Wir sahen uns an und es bedurfte keines weiteren Wortes um uns einig zu sein, wie wir fortan hießen. Nur die Schreibweise haben wir etwas verändert. Alles weitere ist Geschichte. Wir haben schnell festgestellt, dass wir nicht nur eine Band waren, sondern eine individuelle Lebenseinstellung, eine Philosophie. Ich glaube, es gibt nichts, was wir nicht ausprobiert haben, und das nicht nur im musikalischen Sinn. Der Erfolg kam quasi über Nacht, und vielleicht haben wir ihn nicht gleich verkraftet, was uns aber nicht bewusst war. Wir konnten uns fast alles erlauben, und wir taten es auch. Konventionen waren uns egal, und wir hassten nichts mehr als konservatives Spießbürgertum. Das fing beim Aussehen an und hörte bei Drogenexperimenten auf. Zwischendrin bestimmte unser Leben der Suff, Zerstörung bis hin zu Sado-Maso-Exzessen. Wir haben wirklich nichts ausgelassen.”
TOMMYs größter Fan war, ist und bleibt seine über alles geliebte Mama. Sie lässt sich nach wie vor keinen Auftritt ihres Sohnemanns entgehen und ist stolz auf ihr großes Baby, wie sie ihn noch immer liebevoll nennt. „Sie ist die einzige, die immer zu mir gehalten hat, egal was in der Vergangenheit gewesen ist. Das werde ich ihr nie vergessen.” 1984 heiratet TOMMY LEE das Model Elaine Bergen. Die Ehe dauert exakt 30 Tage. Er bezeichnet dieses Drama heute als eine seiner zahlreichen Kurzschlusshandlungen. Nur wenig später lernt er die Schauspielerin Heather Locklier (bekannt aus der TV-Serie Denver Clan) kennen und lieben. Die Beziehung dauert immerhin acht Jahre und beinhaltet mehr Tiefen als Höhen. Zugegebenerweise profitiert TOMMY von Heathers Berühmtheit, allerdings eher was die Klatschspalten der Boulevard-Blätter angeht, als in musikalischem Sinn. Sie vertragen sich, sich schlagen sich, und jede neue Eskapade wird vor dem Auge der Öffentlichkeit ausgetragen. 1994 ist dann der Zenith erreicht, und auch die Ehe landet vor dem Kadi. Aber als ob diese Schlammschlacht nicht schon der Höhepunkt ist, es geht noch besser, muss der Drummer alsbald feststellen. Er lernt die Kanadierin Pamela Anderson kennen, die sich damals gerade einen Namen als Baywatch-Nixe gemacht hatte. Allerdings ist das mehr auf die visuellen Aspekte zurück zu führen als durch schauspielerisches Talent. Eine Traumhochzeit am Stand von Malibu wird zelebriert, und um diese Liebe zu statuieren, setzen die Beiden zwei Kinder in die Welt. Die nächste Runde im Eheboxring beginnt und entpuppt sich als tausendmal fataler als der Einstand mit Heather. Aber was Hänschen nicht gelernt hat, lernt Hans nimmermehr, heißt es so schön. Es kommt zum absoluten Showdown in TOMMY LEEs Leben. Der Rauswurf bei Mötley Crüe zum einen, die Anzeige seines angetrauten Weibes wegen Miss-handlung zum anderen. Sie zieht zwar die Anzeige kurzzeitig zurück, um sie wenig später noch einmal massiv zu unterstreichen. „Ich war absolut am Boden zerstört, und habe nicht nur einmal an Selbstmord gedacht. Mein Hass gegen mich selbst und den Rest der Welt stieg ins Unermessliche. Ich beschuldigte alle und jeden für mein Los” Es hilft nichts. Tommy muss für ein halbes Jahr hinter schwedische Gardinen und wird außerdem zu einer empfindlichen Geldstrafe und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. „Ich hatte dort genug Zeit um nach zu denken. Irgendwann habe ich mir gesagt, du hast die Wahl. Entweder du verrottest hier in Frustration und Selbstmitleid oder du überlegst einmal was eigentlich los ist mit dir. Gott sei Dank habe ich mich für letzteres entschieden. Ich habe in diesen sechs Monaten sehr viele Texte für neue Songs geschrieben. Da ich im Knast keinen Kassettenrekorder zur Verfügung hatte, rief ich immer bei mir zu Hause an und sang die Melodien auf meinen Anrufbeantworter. Die Stücke wurden später zum Teil für mein Projekt „Methods Of Mayhem” verwendet.”
Außerdem hat sich TOMMY in dieser schweren Zeit dem Buddhismus zugewandt. „Diese Lehre zeigt eine wunderbare Weltanschauung. Ich habe im Gefängnis viele Bücher darüber gelesen und mich eingehend damit befasst. Ich denke, das hat mich auch als Mensch verändert und ruhiger werden lassen. Ich bin inzwischen mit mir selbst ins reine gekommen. Und das macht sich auch in meiner Musik bemerkbar.” MOM gehört inzwischen ebenfalls der Vergangenheit an. Er möchte keine Band mehr im Augenblick und konzentriert sich auf einen Solostunt. Auch gibt es eine neue Liebe in TOMMYs Leben. Aber darüber will er nicht sprechen. „Ich habe in der Vergangenheit den Fehler gemacht, mein Privatleben stets öffentlich zu inszenieren. Das hat mir letztendlich nur Ärger eingebracht. Von jetzt an versuche ich wirklich, privates auch privat zu halten. Ich wollte nie auf ein Podest gehoben werden, weder als Künstler noch als Mensch, sei es im positiven als auch im negativen Sinn. Ich will nur noch durch meine Songs zur Öffentlichkeit sprechen. Drei Beats auf der Bassdrum bedeutet ja, und einer nein. So simpel ist das.” Einmal noch erscheint LEEs Name in der Regenbogen-Presse, als bei einer Kinder-Geburtstagsfeier, der Sohn einer bekannten deutschen Schauspielerin in seinem Swimmingpool ertrinkt. Diese Sache ist noch nicht ausgestanden in Bezug auf eventuelle verletzte Aufsichtspflicht. TOMMY hat sich mittlerweile total zurück gezogen und bastelt im stillen Kämmerlein bzw. seinem Homestudio in den Hollywood Hills, an neuen Soundtechniken und denkt darüber nach, ob er sich dem Stream der Reallityshows á la „The Osbournes” anschließen soll. Es gibt inzwischen konkrete Gerüchte was letzteres anbelangt. Bestätigt ist allerdings noch nichts. TOMMY LEE, der Exzentriker, der Skandalprofi, der Stille, der Raviate, die wandelnde Plakatsäule dank unzähliger Tattoos, die seinen, inzwischen wieder gestählten Body zieren und sein Leben erzählen. Und last but not least: „Ich bin nach wie vor der größte David Bowie-Fan aller Zeiten. Er ist einfach der Größte, ein Chamäleon, das ständig die Farbe wechselt, genauso wie seinen Look und seinen Sound wenn er irgendwas anfasst. Genauso würde ich auch gerne einmal irgendwann sein.
Kalinichta . . .

Eva B.Louis

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