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TOTO
Afrika ist wieder ganz nah

Im Dezember 1977 gründeten sechs erfahrene Studiomusiker die Band TOTO, die sofort mit enormem Erfolg durchstartete. Ob Hold The Line, Rosanna oder Africa - die Brüder Jeff, Steve und Michael Porcaro, David Paich, Bobby Kimball sowie Steve Lukather legten stets Wert auf ausgefeilte Song-Technik und absolute Perfektion. Mit dem Album Toto IV landete die Band 1982 ihren größten Wurf, erhielt einen Grammy und schrieb damit Musikgeschichte.
Doch der Erfolg sollte nicht anhalten. 1984 verließ Bobby Kimball die Band, da seine Stimme die Strapazen der Live-Auftritte nicht mehr mitmachte. Der Sänger wurde bei TOTO in der Folgezeit fast nach jedem Album ausgetauscht. Mit Fergie Fredrikson spielte man die Scheibe Isolation ein. Die nächste LP Fahrenheit (1986) entstand mit Joseph Williams. The Seventh One (1988) hatte schließlich mit Jean Michel Byron schon wieder einen neuen Sänger. Aber auch in diesem Fall funktionierte die Zusammenarbeit offenbar nicht.
Die folgenden Jahre versuchten TOTO daher, ohne zusätzlichen Sänger auszukommen. Gitarrist Steve Lukather übernahm diesen Part, hatte allerdings Probleme mit den hohen Passagen. Daher wurden diese von Chorsängern übernommen.
1992 war ein einschneidendes Jahr für TOTO. Jeff Porcaro, Schlagzeuger, Gründer und Mastermind der Band verstarb im Alter von 39 Jahren an Herzversagen. Die Zukunft der Band war nach diesem Schicksalsschlag lange ungewiss, doch letztendlich entschlossen sich die anderen Mitglieder dazu, TOTO am Leben zu erhalten. Jeff Porcaros Platz nahm Super-Drummer Simon Phillips ein.
In der Folge fiel es der Band jedoch schwer, sich musikalisch zu positionieren: Mal versuchte man es mit Rock, dann mit Pop und schließlich sogar mit experimentellen Klängen. Der Erfolg war eher mäßig. Das alte TOTO-Feeling kehrte erst zurück, als Mitte der 90er-Jahre Bobby Kimball als Sänger zurück kehrte. Die Musiker waren plötzlich wieder motiviert wie in alten Zeiten. Und auch die Fans waren froh, dass die Klassiker bei Live-Auftritten nun wieder mit der Original-Stimme erklangen.
In Kürze erscheint ein neues TOTO-Album, diesmal komplett produziert von Simon Phillips. Eine Europa-Tournee folgt. Am 3. November sind TOTO in der Münchner Olympiahalle zu Gast - ein Datum, dass man sich schon jetzt vormerken sollte.
KORN
Die Unberührbaren

David (drums) war schon immer der Ansicht, dass KORN ein ziemlich bescheuerter Name sei. Aber er meint auch: Sobald eine Band erst einmal berühmt ist, dann macht das Ganze den Namen very cool.
Und er hatte recht behalten. Heute macht sich keiner mehr Gedanken über diesen, im Prinzip simplen und doch so ungewöhnlichen Namen. Korn haben sich etabliert in der Metal-Hip-Hop und Hardcore-Szene und sind mittlerweile zur, nicht-wegzudenkenden Institution geworden. Korn sind eine irreale Philosophie auf die Nervenstränge, eine kosmische Katastrophe auf den guten Musikgeschmack, die Aggression einer ganzen Generation und das Vater Unser ihrer Fans.
Nächstes Jahr feiern KORN bereits ihr 10-jähriges Jubiläum mit fünf Alben im Katalog, jede Menge Lebenserfahrung, Sideprojects, Fakten, aber sie sind noch immer nicht viel weiser geworden. Und von Kommerz halten die fünf Entertainer, und zum Teil brave Familienväter erst recht nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jemals kommerziell werden. Das liegt absolut nicht in unserer Natur, gibt Brian Head Welch (git) zu bedenken. Ich weiß, dass wir gute Resonanz bei den Print-Medien erhalten, aber ob wir im Radio gespielt werden kann ich nicht sagen. Ich höre so gut wie nie Radio. Folglich bereitet mir das nicht allzu großes Kopfzerbrechen. Wir haben die Musik in erster Linie für uns selbst geschrieben. Wenn es dann noch anderen gefällt, - umso besser. Die gut besuchten Konzerte und die CD-Verkäufe sprechen für sich. Schließlich müssen wir ja auch von etwas leben. Einige von uns haben schon Familie. Da trägt man automatisch Verantwortung. Wir arbeiten allerdings daran, dass harte Musik, so wie wir sie machen, oder Limp Bizkit, oder Papa Roach, und wie sie alle heißen, noch mehr Akzeptanz finden bei den breiten Medien. Es gibt da sicherlich kein Patentrezept. Wir haben allerdings festgestellt, dass die persönliche Verbundenheit zu Fans wahre Wunder wirkt. Egal auf welchem Weg das funktioniert, sei es über die Homepage, das Label, Management oder der greifbare Kontakt von der Bühne aus. Wir sind als einzelne Personen auch nicht besser, anders oder privilegierter als unsere Fans. Nur als Band-Einheit kann man sich dem Starkult, hat man ihn erst einmal erreicht, nur schwer entziehen. - Kann man KORN folglich als die perfekte Band bezeichnen? Ich weiß nicht genau, aber ich denke schon. Wir haben schon so viele andere Künstler getroffen im Lauf der Jahre, die zu Bedenken gaben, dass sie eigentlich nur mit anderen Musikern in ein und derselben Band sind, weil so der Erfolg garantiert ist, und einer ohne den anderen nichts ist. Aber eigentlich mag man sich nicht sonderlich und duldet sich quasi nur leidlich. Dann denke ich oft bei mir, wie lucky wir eigentlich sind so wundervoll zu harmonieren. Ich bin mir aber auch durchaus bewusst, dass dieser Umstand noch lange kein Garantieschein ist für eine lange glückliche Zukunft. Deswegen nutzen wir auch den Moment, genießen die augenblickliche Situation und machen das Beste daraus. Morgen kann das alles schon vorbei sein. Auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Aber - who knows?!!
Dieser relativ lange Kommentar klingt äußerst optimistisch für ein Mitglied der Gruppe KORN. Sind doch die Fünf eher bekannt für Aggression, Brutalität, Kompromisslosigkeit und absolute Härte. Gott sei Dank trifft das in erste Linie nur, und das nur sei hiermit betont, auf die Musik und ihre Stage-Show zu. In anderen Kreisen nennt man so etwas Dampf ablassen. Aber woher kommt dieser angestaute Ärger? Ein paar von uns haben in der Jugend negative Erfahrungen gemacht, sind sogar als Kinder sexuell belästigt worden, haben Ghetto-Erfahrung gemacht und sind in schlechte Gesellschaft geraten. Das kann man nicht so einfach weg wischen aus dem Gedächtnis. So etwas gräbt sich tief im Nervenkostüm ein und bleibt als unschöner Kratzer, nicht mehr auf zu polieren. Mit den progressiven Texten, der rabiaten Art von Musik, und der Hochofen-Leistung auf der Bühne, haben wir einen Weg gefunden etwas von dem zurück zu geben. Auch wenn es sich dabei um eine weitaus harmlosere Strategie handelt. Aber es erzeugt hinterher ein Gefühl der Erleichterung, so als ob eine Last von den Schultern gefallen sei. Man fühlt sich frei schwebend und irgendwie happy. Ich nenne das Emotionen ins Extreme getragen.
Über mangelnden Erfolg können sich KORN bis dato nicht beklagen. Heimsten sie doch mit den vergangenen vier Alben einen fast schon überdimensionalen Erfolg in ihrer Heimat USA ein. Sogar die aller erste selbstbetitelte Scheibe verkaufte sich auf Anhieb 20.000 Mal. Es war damals wie eine Explosion im Genre, die unbeschreiblich war. Man war sich einige Zeit im unklaren, ob KORN diese Einschlagswucht so ohne weiteres verarbeiten würden. Acht Jahre und noch drei Alben später haben Head und seine Kollegen nicht nur einmal bewiesen, dass sie die jeweilige Situation stets sehr gut unter Kontrolle,- und ihren Status sogar noch um einiges ausgebaut haben. Es hört sich zwar einerseits wie ein wahr gewordenes Märchen an, aber es gibt natürlich auch Schattenseiten in der Existenz von KORN. Der härteste Teil an der Arbeit ist sicherlich die Tatsache, dass man sehr lange von der Familie getrennt ist, wenn man on Tour ist. Ich habe eine kleine Tochter und sehe sie manchmal wochenlang nicht. Sie mit auf Tournee zu nehmen wäre allerdings ziemlich egoistisch. Sie soll schließlich in einem normalen Umfeld aufwachsen. Aber ehrlich gestanden, ich vermisse sie jedes Mal fürchterlich. Und eine neuerlich große Tournee steht just in Kürze wieder auf dem Speiseplan von KORN, sozusagen als Nachspeise. Das Hauptgericht nennt sich Untouchables und beinhaltet Gewürze wie Here To Stay, Make Believe, One More Time oder die Single Here To Stay. Ziemlich lange hat sie gedauert, die Produktion des aktuellen Silberlings. Und die Geduld der Fans wurde auf eine harte Probe gestellt. Die Arbeit zu Untouchables dauerte rund ein Jahr. Aber das kam daher, dass unser Schlagzeuger an einer Gelenksverletzung laborierte und und die Ärzte lange Zeit nicht genau feststellen konnten, was die immer wieder kehrenden Schmerzen verursachte. Letztendlich hat man festgestellt, dass David (Silveria) einen Knochen zuviel hatte, der auf bestimmte Nerven drückte. Das führte wiederum zu einer komplizierten Operation, wobei dieser Knochen entfernt werden musste. Die an-schließende Heilung nahm dementsprechend viel Zeit in Anspruch. Aber ohne ihn wollten wir einfach nicht weiter machen, nach dem Motto, entweder alle oder keiner. In dieses Album haben wir mehr Energie gesteckt wie in sämtliche vorher gehende Scheiben. Wir wollte 100%ig perfekt sein und haben einiges auch komplett neu eingespielt weil es uns anfangs nicht zusagte.
Untouchables weist unbestritten neue Linien auf, Linien, die für Korn eigentlich untypisch sind. Man findet darauf New Wave Einflüsse, Groove-orientierte Rhythmen, und sogar eine ganz sachte romantische Ader. Trotzdem lässt Untouchables keinen Zweifel aus, dass es sich auch hier wieder um ein typisches, kompromissloses Korn-Album handelt. Zugegeben, dieses Album ist im Ganzen gesehen etwas ruhiger ausgefallen als die vorhergehenden Werke. Da spielt bestimmt die Arbeit an den Kinofilmen (Anm.d.Red. z.B. Queen Of The Damned) eine Rolle oder das experimentieren mit neuen Elementen. Es ist noch immer ziemlich heavy, aber eben nicht so KORN-gewohnt heftig. Es ist einfach anders und trotzdem typisch KORN. Du kannst es auch reifer nennen, fortgeschritten oder weiter entwickelt, je nachdem. Wir wollten auf jeden Fall etwas mit Tiefgang machen, da es da draußen in der Musiklandschaft viel zu viel Oberflächlichkeit gibt ohne Herz und Seele und Substanz.
Der Titel des Albums ist übrigens keine Widmung an Brian De Palmas gleichnamigen Film von 1987. Untouchables stellt den Begriff für sogenannte Underdogs oder tätowierte Straßenkids dar, die von der Gesellschaft ignoriert, ausgelacht und angespuckt werden. Ihnen fühlen sich die fünf KORNer am meisten verbunden. Gerade Amerika hat unheimlich viele dieser Underdogs aufzuweisen. Und KORN fühlen sich ihrem Publikum, das zumindest in den USA aus 90 Prozent Streetkids besteht, äußerst verbunden. Leider blieb auch das neue Werk der Band nicht vom Internet verschont. Anfang April konnte man bereits vier Titel herunter laden, und einige US-Radiostationen nutzten das auch sofort aus. Diese Tatsache machte uns anfangs verrückt. Nicht so sehr, dass die Songs effektiv im Netz standen, sondern der Umstand, dass das Album noch nicht fertig abgemischt war. Generell gesehen haben wir kein Problem mit dem Internet. Warum sollen wir uns darüber den Kopf zerbrechen. Man kann das Ganze ja doch nicht mehr aufhalten. Dazu ist es schon viel zu weit fortgeschritten. Hauptsache ist doch letztendlich, das Ding wird so oft und viel wie möglich gehört auch wenns über das Netz ist. Es ist gut zu wissen, dass sich der wirkliche Fan letztendlich dann irgendwann doch noch das richtige Album kaufen wird, weil er Wert auf Credits, Bilder und das Cover legt. Diese Erfahrung haben wir beim letzten Album schon gemacht. -
KORN scheren sich darum was andere Bands machen. Für die Fünf besteht Erfolg nicht nur aus dem Verkauf von 100.000 Alben, sondern in erster Linie aus der Fähigkeit in der Lage zu sein, das tun zu können was sie eben tun. Und wieder kommt Optimismus zum Vorschein, auch wenn die Texte von Untouchables alles andere als Lebensfreude durchblicken lassen. Düstere Endzeitprognosen wechseln sich mit Selbstmordgelüsten ab und Sänger Jonathan Davis lässt keine Gelegenheit aus seinen nahen Abgang von dieser Welt auf makabere Weise zu prognostizieren. Depressionen erscheinen im Gegensatz dazu wie ein Lustschrei am Rande einer Ekstase. Zugegeben, vielleicht sind wir wirklich so etwas wie Unberührbare. Einige Leute haben uns sogar schon mit Satanskult in Verbindung gebracht, obwohl das Unsinn ist. Aber ich glaube, alles was nicht unter Normalität und Gesellschaftsnorm fällt gehört irgendwie in die Kategorie der Unberührbaren.
Ein unberührbares Album in einer sehr berührbaren Welt von einer noch berührbareren Band. Denn im Grunde genommen sind wir doch alle gleich, oder?!
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